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Pressemitteilung: Jo.C.Boecker ist insolvent – Strategie des DPI und Deutschen Pelzverbandes geht nicht auf


Demonstration gegen die Messe Fur&Fashion am 13.03.04 in Frankfurt/Main

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Offensive gegen die Pelzindustrie,

Hamburg, den 11.03.2004

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Seit Jahren versucht das Deutsche Pelzinstitut und der Deutsche Pelzverband der Öffentlichkeit die „Erfolgsstory Pelz“ zu verkaufen. Das Comeback des Pelzes sei da. Es heißt, Pelz sei in den vergangenen Jahren zu selbstverständlichen Materialien für die Mode geworden, noch nie sei die Sehnsucht so groß gewesen, sich durch „das edle Material“ auszudrücken. Das in Frankfurt ansässige Deutsche Pelzinstitut teilte 2002 mit, Pelz-Accessoires seien angeblich ein “must- have”, die Alltagstauglichkeit stünde im Vordergrund.

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Dass die Sehnsucht noch nie so groß gewesen sei, sich durch „das edle Material Pelz“ auszudrücken, sah der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels zeitgleich anders und rechnete für 2003 mit einem „weiteren Umsatzrückgang“ von 1,5 Prozent für Pelzbekleidung. Das Modekaufhaus C&A (Rang 3 der größten deutschen Unternehmen im Textileinzelhandel 2002, wie folgt mit *) hatte dies bereits rechtzeitig erkannt und erklärte in einer Pressemitteilung im Februar 2001, den Verkauf von Pelzen, in den sie 1998 bundesweit testweise wieder eingestiegen waren, für beendet. Das Kaufverhalten der Verbraucher hätte sie dazu bewogen. Im Oktober 2002 erklärten sie gegenüber dem Westdeutschen Rundfunk zusätzlich, in Zukunft auch keine Bekleidung mit Pelzbesatz, -verbrämungen und -accessoires mehr zu verkaufen.

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Auch die KarstadtQuelle AG (Rang 1*), die ebenso wie C&A durch ihren Verkauf von Pelzen den Protest von TierrechtlerInnen aus ganz Deutschland auf sich gezogen hatte, erklärte in einer Pressemitteilung vom 27.09.02, sich komplett aus dem Pelzhandel zurückzuziehen. Dies betrifft den Verkauf von Ganzpelzen ebenso wie den Verkauf von Bekleidung mit Pelzapplikationen. Karstadt beruft sich dabei auf ihre gesellschaftspolitische Verantwortung, die auch den Tierschutzgedanken berücksichtigen würde. Zu dem Schluss, keinen Pelz mehr zu verkaufen, seien sie auch unter Einbeziehung von Kundenbefragungen gelangt.

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Dass der Bekleidungskonzern Jo.C.Boecker (Rang 54*) am 08.03.04 nun einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Essen gestellt hat, zeigt erneut, dass Pelz in Deutschland nicht salonfähig ist. Boecker hatte von jeher ein breites Angebot an Pelz in seinem Sortiment. Auch die Tchibo GmbH (Rang 9*) hatte sich 2003 testweise an den Verkauf von zwei Pelzprodukten gewagt. Im Dezember 2003 erklärte Tchibo öffentlich, dass sie angesichts der Reaktion in der Bevölkerung auf diese Pelzprodukte ab 2004 keine Produkte mit oder aus Pelz mehr verkaufen würden. Und die Otto GmbH (Rang 2*) hatte die sinkende Akzeptanz von Pelz in der Bevölkerung bereits 1988 erkannt und begann zu dem Zeitpunkt Pelze und Pelzartikel aus ihrem Sortiment zu streichen. Am 26.10.01 gab Otto in einem Schreiben an eine Tierrechtlerin der Offensive gegen die Pelzindustrie bekannt, dass sie nun auch den letzten Artikel mit bzw. aus echtem Fell aus ihrem Sortiment streichen würden.

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„Das Verhalten fast aller großen deutschen Bekleidungsunternehmen zeigt, dass die Akzeptanz von Pelz in der Bevölkerung sinkt und nicht steigt, wie es der Deutsche Pelzverband gerne versucht darzustellen“, so Ulf Naumann von die tierbefreier e.V. Dies zeigt sich zusätzlich darin, dass die Frankfurter Messe Fur&Fashion in den vergangenen Jahren immer kleiner wurde. Speziell die inländischen Unternehmen verhielten sich sehr vorsichtig, was sich auf die Zahl der Aussteller und die vermietete Fläche auswirke, schreibt die Fur&Fashion GmbH selber in einer Pressemitteilung vom 12.03.2002. Auf der Pressekonferenz vom 10.03.04 anlässlich der Fur&Fashion, die vom 11. bis 14.03.04 in Frankfurt stattfindet, musste der Deutsche Pelzverband erklären, dass die einzigen Zuwachsraten beim Pelz ausschließlich im Ausland lägen. Diese Angaben basierten auf aktuellen Zahlen der International Fur Trade Federation.

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Herbert Würker, Präsident des Deutschen Pelzverbandes, erklärte, dass der Export für die deutsche Pelzwirtschaft lebensnotwendig sei. Die Pelzindustrie in Deutschland versucht schon seit längerer Zeit, sich mehr auf den Export zu konzentrieren, doch grade die Zahl der ausländischen Besucher der Fur&Fashion war im vergangenen Jahr rückläufig. So schreibt die Fur&Fashion GmbH in einer Pressemitteilung vom 13.04.03: „Insgesamt wurde die Messe von einem Rückgang ausländischer Besucher beeinflusst.“ Die Zahl der Einkäufer sei niedriger als erwartet gewesen.

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Aus Sicht der Offensive gegen die Pelzindustrie zeigt der derzeitige Trend vor allem eins: deutsche Unternehmen sollten erkennen, dass die Akzeptanz eines tierquälerischen „Produktes“ wie Pelz innerhalb der Bevölkerung nicht gegeben ist und sollten keine Pelzartikel mehr anbieten. Auch die Lobbyarbeit von Vereinen wie dem Deutschen Pelzverband kann nicht darüber hinweg täuschen, dass sich große Bekleidungskonzerne, die Pelz anbieten, mehr Schaden als Nutzen zufügen. Nicht nur durch den Abwärtstrend des Pelzes in Deutschland, sondern auch durch Proteste von Tierrechts- und Tierschutzgruppen. Peek & Cloppenburg, einer der letzten Textilgroßkonzerne (Rang 6*), die noch an dem Verkauf von Pelzartikeln festhalten, hat beispielsweise bundesweit mehr als 500 Demonstrationen und Aktionen des zivilen Ungehorsam bis hin zu Ankettungsaktionen in ihren Kaufhäusern seit Beginn der öffentlichen Proteste gegen ihren Pelzverkauf im Dezember 2002 hinnehmen müssen. „Die Aktionen und Demonstrationen werden so lange weitergeführt werden, bis Peek & Cloppenburg aus dem Pelzgeschäft aussteigt“, so Naumann.

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Am 13.03.04 findet eine von der TierrechtsInitiative Rhein-Main organisierte Demonstration gegen die Messe Fur&Fashion in Frankfurt statt. Ab 11:30 Uhr werden Infostände diverser Tierrechts- und Tierschutzgruppen am Brunnen auf der Fußgängerzone Zeil aufgebaut. Redebeiträge über die Pelzindustrie und das von ihr verursachte Tierleid, über den Pelzhandel und konkret über die Pelzmesse Fur & Fashion werden folgende Personen halten:

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  • Cristeta Brause, Menschen für Tierrechte – Tierversuchsgegner Hessen e.V.

  • Dr. Edmund Haferbeck, die tierbefreier e.V. und Bund gegen Rechtsmissbrauch e.V.

  • Jeannine Kraft, Bündnis für die Schließung der Nerzfarm-Orsbach

  • Wolfgang Siebert, Offensive gegen die Pelzindustrie / P&C-Kampagne

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Danach wird sich ein Demonstrationszug in Bewegung setzen, der an verschiedenen Pelzgeschäften sowie bei Peek & Cloppenburg halt machen wird. Die TierrechtsInitiative Rhein-Main ist Teil der Offensive gegen die Pelzindustrie. Die Offensive gegen die Pelzindustrie ist ein Netzwerk verschiedener Tierrechtsgruppen. Ihr Ziel ist es, den Pelzhandel abzuschaffen, da dieser Handel auf dem Leid und dem Tod unzähliger Tiere aufgebaut ist.


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