OGPI INFO

Ergebnisse des Pelzcheck 2009: Überblick, Erfolge, Konsequenzen


Wie bereits in den letzten Jahren geschehen, rief die Offensive gegen die Pelzindustrie auch vergangenen Herbst wieder alle Aktivist_innen dazu auf, in ihrer Umgebung einen möglichst umfassenden “Pelzcheck” durchzuführen, d.h. zu kontrollieren, welche Geschäfte pelzfrei sind und welche Läden – eventuell trotz verkündetem Ausstieg aus dem Pelzverkauf – noch immer Echtpelz führen. Neben der Kontrolle der Einhaltung von Pelzverzichtserklärungen hat der alljährliche Pelzcheck auch die Funktion einen Überblick über den Pelzverkauf allgemein und somit über potentielle zukünftige Kampagnenziele zu gewinnen. Da uns diese Arbeit nur mit eurer Hilfe möglich ist, freuen wir uns besonders, dass diesmal Zuschriften über Kontrollen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zu uns kamen.
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Als Ergebnis des Pelzchecks gibt es zunächst festzuhalten, dass die meisten Unternehmen, welche in den letzten Jahren aus dem Pelzhandel ausgestiegen sind, momentan auch keine Echtpelze in ihren Filialen haben, so z.B. BiBA, Peek & Cloppenburg, Gerry Weber, C&A, Adler und Bonita.
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Bezüglich Appelrath-Cüpper erreichte uns dagegen aus einigen Städten die unerfreuliche Nachricht von Echtpelzfunden. Das Unternehmen hatte in einer Pressemitteilung nur für die Saison 2007/08 erklärt auf den Verkauf von Echtpelzen zu verzichten jedoch auch in der darauf folgenden Saison 2008/09 keine Echtpelze im Sortiment gehabt. Eure Funde in der laufenden Saison legten also den Verdacht nahe, dass Appelrath-Cüpper einen Wiedereinstieg in den Pelzhandel plant bzw. bereits vollzogen hat. Natürlich schrieb die OGPI das Unternehmen sofort an und forderte es auf, weiterhin auf Echtpelze zu verzichten sowie unbefristet und vollumfänglich aus dem Pelzhandel auszusteigen. Im Rahmen dieses Schreibens wurde Appelrath-Cüpper auch darauf hingewiesen, dass ein Wiedereinstieg in den Pelzverkauf Proteste und Demonstrationen gegen das Unternehmen nach sich ziehen könne. Die Antwort des Unternehmens war eindeutig und ein voller Erfolg – das Unternehmen erklärte sich bereit weiterhin auf Echtpelze im Sortiment zu verzichten. Die angesprochenen Funde seien nur auf Grund von fehlerhaften Lieferungen entstanden.
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Auch bei Kaufhof wurde uns vereinzelt gemeldet, dass es dort Weihnachtsdekoration gegeben habe, die höchstwahrscheinlich aus Echtfell bestand und auch Mützen aus Kaninchenfell wurden dort gesichtet. Auch Kaufhof wurde daraufhin angeschrieben um dazu Stellung zu nehmen und auch Kaufhof bestätigte der Offensive ein weiteres Mal seinen bereits 2006 vollzogenen Pelzausstieg. In einem Schreiben dazu hieß es: “Die in 2006 getätigte Stellungnahme bezüglich Pelze behält (…) für uns weiterhin ihre volle Gültigkeit.” Zu den Mützen aus Kaninchenfell teilte Kaufhof mit, dass dies nur ein Versehen sein könne und die “Mitarbeiter_innen in den Filialen nochmal hinischtlich dieses Themas sensibilisiert” worden seien. Weiterhin räumte Kaufhof ein, dass die Weihnachtsdekorationsfiguren aus Ziegenfell gewesen seien. Dies verstoße nicht gegen die Selbstverpflichtungserklärung, da Ziegenfell, ebenso wie Schaf- und Lammfelle von Kaufhof nicht als “Pelz” erachtet werde. Ähnlich Problematiken zeigen sich auch bei Pelzchecks in anderen Unternehmen.
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Es zeigt sich, dass viele Unternehmen wie Zara oder auch Peek & Cloppenburg, die in den letzten Jahren auf Grund von Kampagnen aus dem Pelzhandel ausgestiegen sind, zahlreiche Bekleidungsstücke aus Lammfell im Sortiment haben. Bisher wurde Lammfell in den Ausstiegsforderungen der OGPI nicht speziell berücksichtigt und mit aufgezählt. Wir möchten an dieser Stelle jedoch betonen, dass wir der Meinung sind, dass auch die „Produktion“ von Lammfell Teil des Pelzhandels ist. Auch Schafe, Lämmer und Ziegen werden ihrer ureigensten Interessen beraubt, wenn sie getötet und ihre Felle im Anschluss zu Kleidungsstücken verarbeitet werden. Die Ermordung und Verwertung dieser Tiere wird im Übrigen auch von der Pelzindustrie selbst genauso als zu ihrer Branche gehörend gezählt wie die von Nerzen, Chinchillas, Füchsen, Kaninchen etc. Mitnichten ist Lammfell also ein „Abfallprodukt“ der Fleischindustrie, wie es gerne behauptet wird. Für Unternehmen, welche sich mit ihrem erklärten Pelzausstieg bewusst dazu entschieden haben, dieser lebensverachtenden Industrie den Rücken zu kehren, sollte es unserer Meinung nach eigentlich selbstverständlich sein, auch kein Lammfell im Sortiment zu führen. Da sowohl aus Gesprächen als auch aus euren Zuschriften hervorgeht, dass auch ihr als Aktivist_innen dieser Meinung seid, haben wir beschlossen Unklarheiten und vermeintliche „Schlupflöcher“ in Zukunft zu vermeiden, indem der Verzicht auf Lammfellprodukte ab sofort in den Forderungskatalog der OGPI mit aufgenommen wird.
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Abschließend möchten wir uns bei allen Aktivist_innen, die sich am Pelzcheck beteiligt haben, herzlich bedanken und hoffen, dass ihr auch im kommenden Herbst wieder fleißig alle Läden abklappern und uns damit helfen werdet. Die Funde bei Appelrath-Cüpper und die auf Nachfrage hin erfolgte Pelzverzichterklärung des Unternehmens beweisen erneut die Wichtigkeit des Pelzchecks und anderer Recherchen. Eure Hilfe ist essentiell für erfolgreiche Kampagnenarbeit und die Abschaffung der Pelzindustrie!

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