OGPI INFO

Pressemitteilung: TierrechtlerInnen demonstrieren gegen Pelzverkauf bei Unternehmen der KarstadtQuelle AG auf ihrer Jahreshauptversammlung.


Wahlfieber bei Karstadt & Co macht Tiere krank.

.

Offensive gegen die Pelzindustrie,

München, den 09.07.2002

.

Am Donnerstag, den 11. Juli 2002, werden ab 8.30 Uhr TierrechtsaktivistInnen der Anti-Pelz-Kampagne gegen die Karstadt-Gruppe vor dem Haupteingang der Stadthalle auf dem Congress Center Düsseldorf (Stockumer Kirchstraße 61, 40474 Düsseldorf) demonstrieren. Besonderer Anlass ist die diesjährige Jahreshauptversammlung der KarstadtQuelle AG; sie ist Management- und Strategieholding ihrer angegliederten Gesellschaften wie z.B. die Karstadt Warenhaus AG. Sowohl die Warenhäuser: Karstadt, Wertheim, Alsterhaus, Hertie und KaDeWe als auch das Versandhandelsunternehmen Madeleine verkaufen noch immer Pelzbekleidung oder Pelzaccessoires oder unterhalten gar – wie bei Hertie und KaDeWe – noch ganze Pelzabteilungen. Die Management- und Strategieholding KarstadtQuelle AG spielt hierbei selbstredend eine bedeutende Rolle, vornehmlich der Vorstand. Eine Forderung der TierrechtlerInnen an die AktionärInnen des Konzerns wird auf der Jahreshauptversammlung aus diesem Grund sein, den Vorstand und auch den Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Und der Vorstand wird erneut aufgefordert werden, endlich aus dem Pelzhandel auszusteigen!

.

Seit Dezember 2001 führt die Offensive gegen die Pelzindustrie eine Tierrechtskampagne gegen die KarstadtQuelle AG. Appellative, demonstrative und Aktionen des zivilen Ungehorsams forderten bei KarstadtQuelle die moralische Ökonomie ein, die Rückbindung KarstadtQuelles Wirtschaftsstrategien an die Einsicht, dass der Wirtschaftsliberalismus dort seine Grenzen akzeptieren muss, wo die Freiheit anderer lebensbedrohlich verletzt wird. Zu diesen anderen gehören auch Tiere, z.B. die sogenannten Pelztiere. 30 bis 50 Millionen Nerze, Füchse, Waschbären und andere Pelz tragende Tiere werden jährlich weltweit auf Farmen gefangengehalten und per Stromschlag oder durch Gas umgebracht, erschossen, mit der Falle gefangen oder aber wie im Falle von Katzen- und Hundefellen mit einem Seil langsam erwürgt oder aber lebendig aufgeschlitzt. Massenmorde sind das, ein gewaltiges Wort für massenhafte Gewalt an Tieren, millionenfach, und darum würde kein anderes Wort besser bezeichnen können, was die Pelzindustrie Jahr für Jahr Tieren antut. Weil der Pelzmantel die Gewalt an Tieren zumindest für nicht gänzlich emotional verschlossene Menschen erahnen lässt, wurden diese Links von der Pelzindustrie getarnt, verwischt: Pelz gibt es nun seit ein paar Jahren vermehrt stückchenweise, als sogenannter Pelzbesatz oder aber geschoren und eingefärbt, Kaninchenleiche in Pink zum Beispiel oder Waschbär im Zick-Zack-Muster. Pelz ist ein Symbol der Ausbeutung von Tieren durch den Menschen, eines Herrschaftsverhältnisses, nur so lässt sich dann auch erklären, warum Echtpelze bisher nicht gänzlich durch Kunstpelze ersetzt wurden, ginge es wirklich nur um optische Reize. Doch die Kunstfaser oder Naturfaser auf der menschlichen Haut ist keine Beute, keine Trophäe, die den anderen Gesellschaftsmitgliedern – den menschlichen – den Status präsentiert und nur um die Unterstreichung der „feinen Unterschiede“ zwischen den Menschen und zwischen den Spezies geht es beim Pelztragen. Diese Grenzziehung soll immer soziale Ungleichheit repräsentieren und zugleich legitimieren, v.a. die Ungleichheit zwischen dem menschlichen und tierlichen Individuum, nicht jedoch als etwas natürlich gegebenes, als das es gerne hingestellt wird, sondern als etwas sozial gemachtes.

.

Was sozial konstruiert wird, kann auch dekonstruiert werden und soziale Bewegungen wie die Tierrechts-bewegung stehen hier vor einer immens großen Aufgabe. Zahlreich sind ihre GegnerInnen, die Tier-ausbeutungsindustrien, die institu-tionalisierte Gewalt gegen Tiere. Kampagnen sind diejenige Strategie, mit der die Tierrechtsbewegung nun weltweit endlich das scheinbar Unerreichbare erreichen will: die Befreiung der Tiere. Die Pelzindustrie, die kleinste Tierausbeutungsindustrie in der BRD, ist eine derjenigen Industrien, auf die sich die Tierrechtsbewegung weltweit seit einigen Jahren (wieder) konzentriert – auch in der BRD. Im Jahre 2000 wurde die Offensive gegen die Pelzindustrie, eine weitgefasste Kampagne gegen die Pelzindustrie gestartet. Und mit der ersten Teilkampagne – gegen das Bekleidungsunternehmen C&A – hatten die TierrechtlerInnen bereits nach nur 1 Jahr Kampagnenarbeit ihr größtes Ziel erreicht: die Schließung sämtlicher Pelzabteilungen bei C&A. Doch die Pelzbesätze blieben.

.

Mit Start der Anti-Pelz-Kampagne gegen die Karstadt-Gruppe waren sich die TierrechtlerInnen einig, dieses mal nicht nur die Schließung der Pelzabteilungen, sondern den gesamten Pelzverkaufsstopp zu fordern. Warenhäuser sind ein bedeutsamer Geschäftspartner der Pelzindustrie, verfügen diese doch über gleich mehrere Filialen und ist die Hemmschwelle, dort einen Pelz anzuprobieren, nicht so groß wie bei den Kürschnereibetrieben.

.

KarstadtQuelle hat zwar aufgrund der angekündigten Proteste im Oktober vergangenen Jahres im Winter 2001 die Pelzabteilungen bei Karstadt, Wertheim und Alsterhaus geschlossen, die Pelzabteilungen bei Hertie in München und KaDeWe in Berlin und Bekleidung mit Pelzapplikationen in allen Warenhäusern wurden jedoch beibehalten. Bereits beim Analysten-Meeting der KarstadtQuelle AG am 22. Mai dieses Jahres, bei der die Offensive gegen die Pelzindustrie ebenfalls mit einer Demo vor Ort war, zeigte sich jedoch, dass kaum einer der UnternehmensvertreterInnen der Warenhäuser am Pelzverkauf festhalten wollte. Es ist wohl allein eine Marotte des Vorstandes, nicht ganz vom Pelzhandel ablassen zu wollen, alte Verbindungen – zur Fur & Fashion in Frankfurt am Main zum Beispiel – zu pflegen. Nicht einmal wirtschaftliche Gründe dürfte das blutige Geschäft haben, teilte der Konzern doch selbst bereits in einer Pressemitteilung vom 7. Dezember 2001 mit: „Bereits heute machen die im Nachfrage-Trend liegenden Angebote an synthetischen “Pelzen und Pelzwaren” bei Karstadt einen nahe 100 Prozent liegenden Sortimentsanteil dieser Produktgruppe aus“. Zu dieser Erkenntnis sei man nach einer Kundenbefragung und Sortimentsanalyse gekommen. Gerade angesichts der Tatsache, dass KarstadtQuelle derzeit mit einem „Käuferstreik“ zu kämpfen hat und auf „Kundenbindung“ durch die „Kundenkarte“ hofft, sollte sich der Konzern überlegen, ob er – nur um die Interessen von 0,x-Prozent KundInnen an Pelz zu befriedigen – damit die Fortführung der Kampagne gegen das Unternehmen provozieren möchte. Freie Produktwahl ist wichtig, diese Wirtschaftsfreiheit gehört zu dem Grundverständnis unserer Gesellschaft. Doch dort, wo diese Wahlfreiheit die Freiheit und das Leben anderer essentiell gefährdet, egal ob von Menschen oder anderen Tieren, dort, wo das Wahlfieber der KonsumentInnen die Gesundheit von Menschen und Tieren schädigt, muss die Ethik diese Geschäftspolitik unterbinden. Es wird sich zeigen, ob die Aktionärinnen und Aktionäre vor und während der Jahreshauptversammlung am 11. Juli dieses Selbstverständnis der moralische Ökonomie verstehen.


No Comments, Comment or Ping